Februar 2013 – Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

der Spruch Goethes:

Tages Arbeit, abends Gäste, saure Wochen, frohe Feste, sei dein künftig Zauberwort (Goldene Regel),

gilt im Grunde immer noch.

Inzwischen rumort schon wieder der Karneval in unserem Kalender und der Valentinstag erscheint am 14. Februar – blütenverziert. Wie dieser Tag der Liebe und Zuneigung wohl in Venedig gefeiert wird, der romantischen Stadt der Liebenden und Hochzeitsreisenden?

Karneval ist eine aus dem 17. Jahrhundert stammende Bezeichnung für Fastnacht und des während der Fastnachtzeit üblichen närrischen Treibens; die Italiener nennen es ‘’Carnevale’’, was wohl aus dem mittellat. ‘’carnevale’’ kommt, d.h. ‘’Fleischwegnahme’’ während der Fastenzeit oder vom lat. Wort ‘’carus novalis’’ – ‘’Schiffskarren, wie er bei festlichen Umzügen zur Wiedereröffnung der Schiffahrt im Frühjahr dem Volk begegnet – noch heute. Unter dem Schutz der Masken konnten sich früher die Bürger aller Stände Venedigs für flüchtige Stunden und Tage von sämtlichen persönlichen Bindungen befreien.

Venedig und Istanbul sind in mancher Beziehung zwei völlig verschiedene Welten. Im Mittelalter aber waren sie eher wie zwei Brüder. Die gemeinsame Mutter: das Meer, das Mittelmeer.

Venedig – die Stadt auf 16 Hauptinseln, verbunden durch etwa 400 Brücken und über 1000 Kanäle, ist geschmückt durch unzählige, märchenhafte Uferpaläste, vergleichbar nur den Yalı- und Köşkbauten am Bosporus, aber in Stein mit orientalisierten Meisselarbeiten.

Die Bewegung des Wassers, das Spiel der Wellen mit dem Licht, die Gondeln und kleinen Schiffe und die Rufe und Gesänge der Gondoliere lassen keine Traurigkeit, keine Langeweile aufkommen; gestern und heute.

Zauber und Entzauberung liegen in Venedig und Istanbul dicht beisammen; finstere Seitenkanäle dort, nassgraue Seitenstrassen hier. Das Kunsthandwerk – insbesondere Glaswaren und Brokate, die auf byzantinischer/ osmanischer bzw. syrischer Handwerkskunst beruhen, brachte Gold und Geld in die Lagunenstadt. Der Reichtum der Stadt beruhte aber insbesondere auf dem Sklavenhandel und dem Transport dieser armen Menschen. Darüber ist natürlich wenig zu lesen.

Es waren übrigens die Venezianer mit dem 4. Kreuzzug (und deren Verbündete) die Byzanz im Jahre 1204 plünderten und ca. 60 Jahre beherrschten (lateinisches Kaiserreich). Sie wollten mit den erbeuteten Schätzen sogar den massiv goldenen Altar der Hagia Sofia mitnehmen. Aber das Schiff versank, weil die Goldfracht zu schwer war.

Wenn Meere reden könnten – und das Goldene Horn singen…

Schiffahrt und Meere locken immer; nicht zuletzt auch ins Marine Museum (Deniz müzesi) in Beşiktaş. In dem eleganten Souvenir- Shop, mit schönen Silberwaren und aussergewöhnlich geschmackvollen Krawatten, entdeckte ich kleine, sehr preiswerte Seidentüchlein – bedruckt mit der berühmten Seekarte des Piri Reis.

Die UNESCO hat das Jahr 2013 zum Piri Reis Jahr erklärt. Anlass ist die 1513 – also vor 500 Jahren – entstandene Weltkarte (mit der gesamten Ostküste Amerikas) – Seekarte – des osmanischen Kapitäns und Kartographen Piri Reis.

Man erinnere sich an folgende Daten: Eroberung von Konstantinopel (Istanbul) durch Mehmet Fatih im Jahre 1453, Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus: 1492. Übrigens hat im Jahre 1526 der Seefahrer Piri Reis Sultan Süleyman dem Prächtigen ein Kartenbuch des Mittelmeeres gewidmet, mit genauen Karten und Stadtansichten (Original im Topkapı Museum).

Lassen Sie uns Istanbul geniessen und wertschätzen!

Doris Donbaz
für das BRÜCKE Team

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