Dezember 2013 – Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Liebe Leserinnen und Leser,

[dropcap_1 color=””]M[/dropcap_1]it groβen Schritten gehen wir Weihnachten entgegen: dieses Datum ‘‘wandert‘‘ nicht, es steht fest. Weltweit verschiebt es sich nur um 24 Stunden, mit der Wanderung der Sonne. In Australien feiert man zuerst das Christfest, zuletzt in Hawai Merry Christmas!

Ich lebe, wie viele von uns, schon länger in der ‘‘Mitte der Welt‘‘, in Istanbul. Wir freuen uns schon jetzt auf die Weihnachtstage. Auch in Bethlehem, dem Ort der Geburt Christi, wartet man in diesen Tagen sehnsüchtig auf das, hoffentlich friedliche, Fest. Aus osmanischer Zeit gibt es Berichte über böse und laute Streitereien der geistlichen Betreuer der heiligen Stätten in Palästina – auch Bethlehem – die von den türkischen Wachsoldaten nur mit sanfter Gewalt beendet werden konnten.

Weihnachtsfrieden, fremdvermittelt!

Wir, in der ehemals osmanischen Hauptstadt Istanbul, haben es leichter. Der jährliche Weihnachts-basar war und ist ein Muster von Friedfertigkeit und Nächstenliebe unter den Konfessionen und Religionen.

Meine erste Vorweihnachtspost aus Wien, brachte unser Briefträger, der aus Bolu stammt, dem Winterwaldzauber-Ort. Der Inhalt des Briefes: Ein Adventskalender (Doppel-Postkarte), ansonsten wie ein nachtblaues Himmelsrund und mit goldenen Sternen und 24 winzigen Fensterchen; welch liebenswürdige Idee! Hinter jeder Kalenderzahl erscheint ein Geschenkbildchen, das bei mir bald ‘‘untergeht‘‘ in weihnachtlichen Erinnerungen, eigene und fremde, wie zum Beispiel:

24. Dezember 1914 (während des 1. Weltkrieges). An diesem eiskalten Abend feierten feindliche deutsche und belgische Soldaten gemeinsam Weihnachten an der Front. Die Deutschen versorgten die Belgier mit Schnaps und ein Offizier gab den Belgiern eine gestohlene Monstranz (kostbarer Behälter für die geweihte Hostie) zurück.

Am 24. Dezember 1942 (im 2. Weltkrieg) schrieb in Russland ein deutscher Soldat eine Postkarte nach Worms (zu besichtigen im russ. Museum Worms). ‘‘Jetzt sitzen wir zusammen und feiern Heiligabend in Stalingrad, während drauβen die Russen heftig weiterschiessen. Wir singen Weihnachtslieder, von einem Kameraden auf dem Akkordeon begleitet. Dann sitzt jeder in einer Ecke und denkt an die Heimat‘‘.

Notiz: Aus dieser in Eis und Schnee versinkenden Kesselschlacht sind von der deutschen 6. Armee mit 300.000 Mann nur 6.000 Soldaten heimgekehrt.

Weihnachten 1974 (Nordfrankreich, bei Lille). Zu einer Weihnachtsfeier der Bergarbeiter-Gewerkschaft (dt. Sektion) in den Kohleminen für die dort ansässigen Deutschen, die fast alle ehemalige Kriegsgefangene (Zwangsarbeiter) sind, war keiner der beiden Pfarrer erschienen. Sie hatten Streit. In dieser Notsituation lese ich als eingeladene Konsulatsbeamtin auf der Bühne das Weihnachtsevangelium vor. Jemand hatte eine deutsche Bibel dabei. Nach der Nikolausbescherung für die Kinder und meiner kons. Sprechstunde breitet sich Weihnachtsfreude aus – aber auch etwas Heimweh nach Deutschland; einzelne alte Soldaten weinen.

Wenn ich Weihnachten zu Hause in Süddeutschland verbringen kann, erinnere ich mich auch an folgende Geschichte aus meiner Heimat-Geschichte: Im Mittelalter herrschte an Weihnachten Burgfrieden. Aber im Jahre 1488, an Heiligabend, überfallen die Grafen H. mit ihren Kriegsknechten eine benachbarte Stammburg und erobern rasch die halbe Burganlage. Plötzlich erscheint ein Heer von 3.000 Mann – gestellt von verschiedenen Landesfürsten – und rettet die Überfallenen. Die sympathischen Nachfahren der damals befehdeten Geschlechter können inzwischen längst das Weihnachtsfest ohne Furcht feiern, in stilvollen Räumen und eigenen Burg- bzw. Schloβkirchen.

Die Weihnachtsbotschaft aber gilt nicht nur für diese Edelleute und andere Wohlhabende, sondern auch für uns; selbst wenn wir kein Festessen haben sollten und auch nicht zu einem Gottesdienst gehen könnten. Vielleicht können wir eine kleine Kerze entzünden und einen weihnachtlichen Tezt lesen. Wir spüren dann etwas von der Heiligen Nacht und ihrer Botschaft des Friedens und der Freude.

Ein besinnliches und frohes Weihnachtsfest!

Doris Donbaz
für das BRÜCKE Team

 

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