Aufenthaltserlaubnis – Erfahrungsbericht

Zunächst danke ich Ihnen, dass Sie sich für die Probleme bei Beschaffung der Arbeits-und Aufenthaltserlaubnis interessieren. In der Tat sind uns in den letzten Monaten und Jahren unnötig viele, teilweise gravierende Steine in den Weg gelegt worden.

Ich versuche Ihnen mein persönliches Debakel so knapp wie möglich zu schildern. Es ist Einiges passiert…

Als ich im August 2015 als BPLK nach Istanbul kam, erhielten meine mit angereisten Kollegen einen Ikamet-Termin im Oktober. Meiner hingegen lag erst im Dezember. Gründe dafür wurden keine genannt.

Seit Schuljahresbeginn musste ich natürlich ganz normal arbeiten, was aber ohne ikamet bei einer Überprüfung zu Problemen hätte führen können. Das wurde nach meiner Mitteilung von der ZfA jedoch nicht weiter beachtet und auch nicht kommentiert.

Anfang Dezember konnte ich durch mein Touristen-Aufenthaltsrecht noch aus-und wieder einreisen. Für die Heimatreise an Weihnachten wurde mir vom Erziehungsministerium selbst und vom AUsländeramt in Aksaray eine Bescheinigung darüber ausgestellt, dass ich im Rahmen der Feiertage aus- und wieder einreisen darf. Auf der Bescheinigung waren sogar die genauen Tage meiner Reise vermerkt.

Am Flughafen selbst wurde ich von einem Mitarbeiter der Passkontrolle, der augenscheinlich nichts mit meinem Dienstpass geschweige denn mit den Schreiben etwas anfangen konnte, zur Visa-Polizei gebracht. Der Mitarbeiter dort sah sich meine Papiere an und meinte, er bräuchte noch ein Formular aus Aksaray, von dem ich noch nie gehört hatte. Außerdem sollte ich eine hohe Strafe bezahlen. Da mir das ganze seltsam vorkam und ich am Tag vor Heiligabend um 18 Uhr natürlich niemanden mehr in der Schule oder dem Konsulat erreichen konnte, rief ich zunächst unsere Schulsekretärin und dann den Notdienst der dt.Botschaft an. Die Mitarbeiterin sprach mit dem Visa-Polizisten und sagte mir anschließend, dass sie absolut keine Ahnung hatte, was vor sich ging, ich aber definitiv nach Deutschland kommen sollte, von wo aus wir das Problem klären würden.

Als mir am nächsten Tag – an Heiligabend – von der Botschaft geraten wurde, mich beim türkischen Generalkonsulat zu melden, teilte mir ein Mitarbeiter dort mit, dass man mir anscheinend ein Einreiseverbot für 3 Monate auferlegt hatte. Gründe? Bis heute unbekannt.

Ich teilte den Vorfall der ZfA mit, meine Schule in Istanbul dem Generalkonsulat. Von beiden Seiten erhielt ich beschwichtigende Worte (“warten wir mal ab”) und sonst keinerlei Unterstützung in irgend einer Form.

Glücklicherweise war der Mitarbeiter des türkischen Gk so geistesgegenwärtig parallel ein neues Visum für mich zu beantragen, mit dem ich dann wieder einreisen konnte. Allerdings hat dieser ganze Prozess 6 Wochen gedauert, was bedeutete, dass ich 6 Wochen lang nicht arbeiten konnte, nicht ins Land und damit in meine Wohnung konnte und quasi aus meinem Koffer (mit Sachen für 4 Tage Weihnachtsferien) leben musste. Vor allem aber, dass niemand mir sagen konnte, wie lange das Ganze noch geht.

Wieder in Istanbul, bekam ich einen neuen ikamet – Termin für April, was bedeutete, dass ich das Land für 2 Monate nicht verlassen durfte. Mit einem berufstätigen Ehepartner, der in Deutschland lebt und Terroranschlägen im Gastland ist das weiß Gott kein leichtes Unterfangen und hat mich viele Nerven und Tränen gekostet.

Ich bekam Ende April schließlich ein ikamet – allerdings nur bis zum 19.12.16 weil natürlich dir obligatorische Versicherung schon vorher griff.

Man müsste meinen, dass damit genug des Dramas sei, aber weit gefehlt.

Einige meiner Kollegen hatten in diesem Jahr massive Probleme bei der Verlängerung ihres ikamets,u.a.weil Aksaray sich jetzt Wohnbescheinigungen etc.auch von BPLK wünscht.

Um das Drama des letzten Schuljahres nicht nochmal zu durchleben, habe ich bereits vor einigen Wochen damit begonnen, alle benötigten Unterlagen zusammen zu sammeln. Man sagte uns, dass Aksaray nun auch möchte, dass man Umzüge innerhalb von 20 Tagen meldet. So weit so gut, viele meiner Kollegen mussten dies zwar nicht machen, aber die Regeln in Aksaray ändern sich gefühlt je nach Mitarbeiter. Letzte Woche ging ich also mit meiner Wohnbescheinigung in die Behörde, um meinen Umzug zu melden und bekam von einem schmerzlich desinteressierten Mitarbeiter nur die Auskunft, dass man jetzt nach einem Umzug ein ganz neues Ikamet beantragen muss….eine Aussage, die bis dahin auch niemand von uns so gehört hatte. Jetzt habe ich keine Ahnung, wie ich weiter verfahren soll.

Noch einmal diesem Land fest zu sitzen, das ich früher so mochte, wäre das Schlimmste, was ich mir im Moment und in der heiklen politischen Situation vorstellen könnte.

Sie können sich meine Frustration zu dem Thema also vorstellen. Es tut mir auch leid, dass diese email doch so lang geworden ist, allerdings stecken viele Zwischenschritte, deprimierende Besuche in Aksaray und frustrierende Gespräche mit Behördenmitarbeitern hier nicht mal drin.

Ich habe ernsthaft das Gefühl, dass sich die Mitarbeiter dort gern ihre eigenen Regeln machen und viel ihrer eigenen Frustration an den Ausländern dort auslassen. Am Schlimmsten finde ich jedoch,dass man das Gefühl hat, vom Gk und ZfA völlig allein gelassen zu werden, obwohl man von Deutschland entsandt ist, um hier Sinnvolles zu leisten. Man hat das Gefühl hier sich selbst überlassen zu werden, sobald man ein Mal ankommt.

Wenn Sie es irgendwie schaffen, jemanden damit wach zu rütteln, wären ich und viele weitere Dutzend Lehrer, die das Gleiche oder sogar noch Schlimmeres erlebt haben, unendlich dankbar.

Bis dahin danke ich Ihnen für die Lesegeduld und wünsche Ihnen alles Gute

 

Name ist der Red. bekannt

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