Dia-Vortrag mit Adnan in der Reihe ‘‘BRÜCKE-Führungen‘‘

„Ohne Fotografie ist der Moment für immer verloren,
so als ob es ihn nie gegeben hätte.“

Richard Avedon

Ein Vortrag „ 150 Jahre Istanbul in Fotos“ entführte uns in das längst vergangene Istanbul, welches den meisten von uns nicht mehr bekannt ist. Wir wurden mal wieder von Adnan Bey an die Hand genommen, der uns in ein Istanbul entführte, das so anders war als die uns bekannte, wachsende, pulsierende und sich ständig verändernde Metropole.

sayfa 13 Anhand der Dias haben wir uns auf eine Zeitreise begeben und konnten verfolgen, wie sich das Stadtbild namhafter Stadtviertel wie Sultanahmet, Beyazit, Üsküdar, Taxim u.a. durch verheerende Brände, strukturelle Umbauten, Abreißen von Straßenzügen oder Aufschüttungen für Straßen komplett veränderte.
So staunten wir, wie grün die Stadt einst war. Da war die Rede von Erdbeer- und Himbeerfeldern in Arnavutköy und Yeniköy. Heute erblickt unser Auge sehr selten die grüne Farbe, dominiert doch das Grau der Häuser und Straßen.

sayfa 13a Der erste Teil des Vortrages widmete sich den Verkehrsmitteln der Stadt. Erwähnen möchte ich die erste elektrische Straßenbahn von 1913, die bis dahin von Pferden gezogen wurde. 1961 wurde sie durch Trolleybusse aus Italien ersetzt, die wiederum nach weiteren 15 Jahren aus dem Verkehr gezogen wurden.
Ein Foto zeigte eine Bahn mit der Aufschrift: „SON SEFER“, die „Letzte Fahrt“, die von Sisli nach Karaköy ging. Adnan erzählte uns, dass die meisten Tramfahrer nach Hannover gingen, denn dort benötigte man ihre Arbeitskraft. In den 1950/60er Jahren wurden Busse im öffentlichen Verkehr aus Frankreich eingesetzt.

Vor fast 100 Jahren hielt das Auto Einzug in die Stadt und war damals noch eine Seltenheit, teilweise gab es nur einen Wagen im Stadtviertel. Wie sich doch die Zeiten geändert haben! Bis in die 60er Jahre fuhren vor allem amerikanische Autos mit einem schwarzen Autokennzeichen und weißer Schrift „ISTANBUL+ Seriennummer“ durch die Stadt.
Heutzutage sind Verkehrschaos und Staus Normalität, aber es gab sie auch schon in den 50er Jahren, wie uns eine Momentaufnahme einer Kreuzung in Eminönü zeigte.

sayfa 13b Fußgänger hatten es zu allen Zeiten schwer, sich ohne Gefahr durch die Stadt zu bewegen, so die vielen Aufnahmen von der Istiklal, die einst noch von Autos befahren wurde.
In guten Stadtvierteln gab es Werkstätten, wo das Auto abgegeben, repariert und gepflegt wurde. Diese mussten später zugunsten von Wohnhäusern weichen. Heute ist es ein Lottogewinn, einen Stellplatz für sein geliebtes Gefährt zu finden.
Übrigens gab es einen Autoübungsplatz auf dem Taxim, um seinen Führerschein machen zu können.

sayfa 13cIm zweiten Teil des Vortrages standen die Menschen der Stadt im Mittelpunkt, Familienfotos in Studios aufgenommen oder Straßenszenen mit Zeitungsverkäufern, Wasserträgern, Gemüseverkäufern vor Melonenbergen, Trägern von Waren mit ihren Körben, die es heute noch auf vielen Wochenmärkten gibt.

Im Folgenden einige Ausführungen zu Fotos unter der Überschrift: „Ich gebe dem Moment Dauer.“ (Manuel Alvarez Bravo)

Wo sind nur der Strand von Üsküdar und die Badehäuser für Frauen geblieben? Im Hintergrund der „Mädchenturm“, lagen im Bikini gekleidete Frauen mit der Familie an einem Sandstrand.

Der diesjährige Winter verschont uns mit Kälte und starken Schneefällen. Ganz anders die Fotos von einem zugefrorenen Bosporus aus den Jahren 1929 und 1954.

1955- der erste „Migros“ Supermarkt im Besitz der berühmten Familie Koc wird eröffnet.

Fotos sind Dokumente des Augenblicks, des Lebens und der Geschichte.
1928 ist das Jahr, in dem Atatürk die lateinischen Buchstaben eingeführt hat- ein Mann betrachtet interessiert ein Poster mit den neuen Buchstaben, das auch käuflich zum Erlernen des neuen Alphabets erworben werden konnte.

Erschüttert haben uns Fotos aus einem dunklen Kapitel der Geschichte Istanbuls.
In der Nacht vom 6. zum 7. September 1955 kam es zu Pogromen gegen die griechische Minderheit in der Stadt. Fotos zeigten die Zerstörung der Geschäfte, Plünderungen und die Istiklal lag voller Stoffe, Autos und Möbel. In den 50er Jahren ließ Menderes die Küstenstraße in Sultanahmet bauen und auch im Zusammenhang mit der Vertreibung der Griechen taucht sein Name auf. Die Abwanderung von etwa 100.000 Griechen war für den Handel, das Handwerk und den metropolistischen Charakter der Stadt ein bitterer Verlust.

150 Jahre Wandel einer Stadt, festgehalten in Momentaufnahmen, die unser Istanbul-Bild von heute in einem neuen Licht erscheinen lassen. Auch wir machen unzählige Fotos, schließlich möchten wir den Moment als Erinnerung an die spannende Zeit als Gast in dieser Stadt mitnehmen. Welchen Blick wird man in 150 Jahren auf die faszinierende Stadt Istanbul haben?

Wir möchten Adnan für seine ausführlichen und interessanten Informationen danken. Ein weiteres großes Dankeschön gilt Kirsten Gliemann, die den Vortrag in ihrem Heim ermöglichte und uns mit allerlei Köstlichkeiten verwöhnte.
Leider haben wir es versäumt, ein Foto von unserem netten Beisammensein zu nehmen, doch wir wissen, dass es diesen Moment gegeben hat.

Angela Meier

0 Kommentare

Eine Antwort hinterlassen

Kontakt



©2017 ARNE UEBEL | www.arneuebel.com

Melden Sie sich an!

oder    

Haben Sie Ihre Daten vergessen?

Create Account