Editorial Ausgabe April / Mai

Liebe Leserinnen und Leser!

 Sei mir gegrüsst, mein Österreich, du herrlich blühender Gottesgarten,
mit deinen Fluren Eden gleich, mit deiner Berge ewgen Warten
(Franz Grillparzer)

Das Frühlingserwachen an den Mauern der alten Habsburg (ursprüngl. Habichtsburg) erfreut heutzutage wenige Menschen, weil das Gemäuer etwas abseits liegt und nicht in Österreich, sondern in der Schweiz, im Kanton Aargau.

Wer kennt nicht ‘’Wilhelm Tell’’, Schillers Stück um die Schweizer Sagengestalt. Es ging um die Befreiung von den Habsburgern (1291) und die Gründung der 3 Schweizer Urkantone. Die Habsburger benannt nach ihrer Stammburg waren seit dem 10. Jahrh. ein deutsches Herrschergeschlecht, Vorfahren der elsässischen Herzöge.

Im Jahr 1273 wurde Graf Rudolf IV deutscher König, als Rudolf I. Durch seinen Sieg über Ottokar II von Böhmen (1278) gewann er für sein Geschlecht Österreich und die Steiermark.

Durch ihre Heiratspolitik schufen sich die Habsburger ein Weltreich (einschl. des span. Kolonialreichs Amerika). 1438-1806 (ausser 1740-45) waren die Habsburger Deutsche Kaiser.

Kaiser Karl V. zog übrigens, im Rahmen der Reformationskämpfe, am 16.12.1546 in meine Heimatstadt, die Freie Reichsstadt Schwäbisch Hall, ein (mit 20.000 Spaniern), weil sie eine Hochburg der Protestanten war. Noch immer Protestanten haben aber einige von uns spanisches Blut, auch adeliges, geerbt. Wohl auch meine Sippe, väterlicherseits, die seit dem Mittelalter bis heute, beurkundete Salzsiederrechte hat. Ein Arzt aus Stuttgart sah in Trance und unbefragt unsere span. Vorfahren.

Meine habsburger Seele mag Istanbul! Die Türkenkriege der Habsburger? Beim Anblick der Süleymaniye-Moschee denke ich daran, dass Karl V. nach dem Friedensvertrag vom 18.09.1547 Sultan Süleyman tributpflichtig wurde (bezahlt von Ferdinand I.). Solche Ritter-u. Reitergestalten gibt es nun nicht mehr, wohl aber noch einige tollkühne österreichische ’’Naturburschen’’.

Fördern Gebirge, Mut und Ausdauer und/oder keltisches bzw.römisches Blut? Bergbewohner aus Höhen über 300 feet =ca.1000 Metern, sollen ja schwer zu zähmen sein. Ich denke z.B. an den Bergsteiger Reinhold Messner, der die höchsten Gipfel Asiens bezwungen hat – oft ohne Sauerstoffmaske!. Er hat den Yeti, den sagenhaften Schneemenschen im Himalaya, auch gesehen und als Einziger ‘’dechiffriert’’. ‘’Yeti’’ ist kein menschliches Wesen, sondern ein Bär, der sich hoch aufrichten kann; in einem tibetischen Kloster ausgestopft zu sehen. Nebenbei bemerkt, Messners empfohlene Sportart: gehen, gehen, gehen. Sein Landsmann Bruno Baumann hat das vielseitig trainiert und wurde der erfolgreichste Wüstenwanderer, u.a.in der Wüste Gobi (Mongolei).

Einem anderen jungen Österreicher haben Innerasiens Wege (hier Station Kabul/Afgh.) dagegen kein Glück gebracht.. Er landete wegen Haschischschmuggels, als ‘’Gehilfe’’ eines Deutschen im Gefängnis, im anatolischen Aksaray. So wurden die beiden zu Konsularfällen, d.h. Hilfsbedürftigen im Ausland. Eines Tages lernte ich diese Sträflinge näher kennen. Die theatherähnlichen Szenen sind mir unvergesslich. Im Innenhof des Gefängnisses auf einem ‘’Regiestuhl’’ sitzend sehe ich über der Mauer ein türkisblaues seldschukisches Ziegelminarett glänzen. Draussen hocken Frauen mit Kupferschüsseln voll Essen. Der deutsche Gefangene? Er erscheint, klein, stämmig, wohlgenährt. Seine blauen Augen unter dem schwarzgefärbten Haarschopf blitzen mich an, schlau und misstrauisch. ‘’Ich arbeite öfter in der Gefängnisverwaltung’’ sagt er. Mit Zigaretten-Bakschisch erhalte ich länger Hofgang-Runden. Durch Traumdeutung für die anderen verdiene ich mir etwas Taschengeld. Was in meinem Traumbuch steht, muss ich natürlich ausschmücken, sonst gibt’s nichts. Essen? Eine alte Frau kocht für mich und für sich, natürlich. Unser Rauschgift-Dialog schmerzt. Von meinem Augentropfen-Geschenk wollen die Wächter auch haben.’’Abla, der Staub der roten Berge plagt auch uns. Unser Leben ist nicht viel beser als das der Inhaftierten. Willst Du einen anderen Deutschen sehen? Eigentlich ist er Kurde, aber blond, wie ein Deutscher.’’ Sie bringen ihn, ‘’merhaba’’ sage ich zu dem grossgewachsenen, dünnen Hellblonden, der fast überirdisch lächelt. ’’Abla, er wollte seinen Militärdienst nicht machen, versteckte sich in den Bergen. Eines Tages verriet ihn seine Frau an die Gendarmerie, da hat er sie umgebracht.’’ Ein Schock erfasst mich. Plötzlich taucht der österreichische Gefangene auf. Klein, blass, sehr mager, blondes dünnes Haar über sanftblickenden Augen. Sehr lückenhafte Zähne, einige schwarz und wie ausgefranst. Gefängnisessen-Ration? Pro Tag: 1 Brot und 1 Orange. Vom deutschen Kumpel gibt’s selten ein paar Löffel Suppe. Später, in Ankara, plage ich die österreichische Konsulin. Keine gesetzliche Sozialhilfe möglich. Mutter lausearm. Der Himmel erbarmt sich, das österreichische Rote Kreuz findet eine Hilfsquelle. – Gott sei Dank!

Meine Frühlingsträume 2015 in Istanbul? Tulpen, Osterbasar und Wiener Melodien in Galata.

Doris Donbaz
für das BRÜCKE-Team

0 Kommentare

Eine Antwort hinterlassen

Kontakt



©2017 ARNE UEBEL | www.arneuebel.com

Melden Sie sich an!

oder    

Haben Sie Ihre Daten vergessen?

Create Account