Editorial Juni 2015

Liebe Leserinnen und Leser!

Istanbul im Regenbogenlicht – zum Sommeranfang!

Der April macht was er will, heiβt es.
Aber die Blüten unter Eis und Schnee taten uns dies Jahr so richtig weh!
Storchennester, halb verschneit?
Wird es nicht bald Sommerzeit?

Auch der Mai zog schnell vorbei – und mit ihm der Muttertag. Ab und zu bereue ich, daβ ich meiner inzwischen verstorbenen Mutter nicht des öfteren einen Brief geschrieben habe; dabei hatte sie mich diesen, ihren Wunsch, wissen lassen. Telefongespräche sind ja eigentlich wie Kölnisch Wasser – nämlich nur ein Hauch.
Denken Sie auch so?

In meinen Briefen überschrieb ich oft einen Absatz mit dem Titel ‘’Istanbul-Kino’’. Einmal z.B. berichtete ich von einer sehr sympathischen Dame (aus Westeuropa), die im Garten der Hagia Sophia, unter einem Baum ein neugeborenes Kind fand. Ein Mädchen war es, mit hellem Teint, in ein schwarzes Tuch (möglicherweise persisch) eingewickelt und damit leicht bedeckt. Die verheiratete kinderlose Frau, eine Akademikerin, hatte die kleine Sophia/ Sofya als Geschenk des Himmels empfunden und wollte das Kind adoptieren. Das Glück war nicht auf ihrer Seite; es ist ihr nicht gelungen.
In das Gästebuch des Hagia-Sophia-Museums, in dem sich so viele Prominente verewigt haben (einige Eintragungen zeugen von politischer Weitsicht!) hat man die jüngste Besucherin, seit wohl ca. 1500 Jahren, natürlich nicht eingetragen. Aber – wer weiβ – vielleicht war sie so etwas wie eine ‘’Prinzessin auf der Erbse’’, dargestellt 1835 in dem Märchen von H. Chr. Andersen, der auch einmal Istanbul besucht hat.
Die Hagia Sophia, zeitweise z.B. auch als Leuchtturm oder Hospital genutzt, manche alten Moscheen und Mauern der Stadt, könnten viel erzählen, u.a. daβ Istanbul um die 30 Namen hatte – darunter einen mongolischen, nämlich CAKDURAN.
Mongolen in unserer Wahlheimat? Um 1250 n. Chr. gab es mongolische Besatzungen in Anatolin und im Jahre 1402 eine groβe Schlacht bei Ankara. Timurlenk besiegte Yıldırım Beyazıt.

Eine andere Seite aus dem Buch der Geschichte zeigt: im Erdboden unweit der Aya Sofya konnte man vor ein paar Monaten, anlässlich archäologischer Grabungen, Fuβspuren aus der Zeit von 6.500 v. Chr. bloβlegen, sozusagen von unseren Vor-Bewohnern.
Auch die nahe Vergangenheit der Stadt spricht Bände bzw. schreibt sie. Neulich entdeckte ich in dem spannenden Buch von Prof. Charles King ‘’Mitternacht im Pera-Palast’’ (dt. Ausgabe und engl. Original bei Herrn Mühlbauer erhältlich,) die Information, daβ die in Paris berühmt gewordene farbige Tänzerin Josephine Baker, gebürtige Amerikanerin aus St. Louis, Tochter eines Spaniers und einer Negerin, sogar auch in Istanbul auftrat (1934). Ihr Bananenröckchen ist bis heute weltbekannt. Kaum jemand weiβ jedoch, daβ diese ehrenwerte Frau im Zweiten Weltkrieg, wie Agatha Christie, als Krankenschwester gearbeitet und nach Kriegsende ihr Schloβ in Frankreich – Les Milandes – zu einem Heim für elternlose Kinder aller Rassen und Nationalitäten, gemacht hat. Diese Kinder wurden sogar von ihr, als bekennende Christin, adoptiert.

In Istanbul wehte und weht immer ein Hauch der groβen weiten Welt; man muβ nicht in die Ferne schweifen!

Der Sommeranfang treibt einige von uns natürlich hinaus aus der Stadt, auf’s Land oder an die Strände und/ oder die Sommerhäuser. Wer nicht reisen will mache es sich zu Hause gemütlich bzw. in nahegelegenen Schattenplätzchen.

Hoffentlich wird das Gesicht Istanbuls im Sommer nicht weiter verunstaltet. Was würde Sultan Süleyman, der Prächtige, wohl ausrufen, wenn er heute Istanbul sähe?

Einen schönen Sommer, ohne gesundheitliche Sorgen und mit vielen Glücksmomenten!

 

Doris Donbaz
für das BRÜCKE-Team

0 Kommentare

Eine Antwort hinterlassen

Kontakt



©2017 ARNE UEBEL | www.arneuebel.com

Melden Sie sich an!

oder    

Haben Sie Ihre Daten vergessen?

Create Account