EDITORIAL VOM SOMMERBRIEF

Liebe Leserinnen und Leser,

Im Zeitalter der Elektronik und Technik vergisst man leicht wie schön es sein kann, zusammen zu sitzen und über Dinge zu sprechen, zu diskutieren, zu entscheiden. Mit all den neuen Geräteschaften ist man jederzeit mündlich und schriftlich zu erreichen, was Vieles erleichtert. Das gilt auch für unsere Vereinsarbeit. Immer öfter fielen die sonst so regelmässigen Boardmeetings aus und wurden Fragen, Entscheidungen und Informationen für das monatliche Brückeheft über’s Internet geschaltet.
Christine’s Einladung zu Schnitzel und Kartoffelsalat in ihrem wunderschönen Garten hat dem ein Ende gesetzt. Es war ein sonniger Tag, der nicht nur zuliess, die Vorbereitungen zum Infobrief und dem Sommerprogramm fest zu legen, sondern auch zu besprechen, wie wir unsere Vereinsarbeit rationell und für alle Interessenten zugängig machen können. Auf die Medien möchten wir nicht mehr verzichten, auf das gedruckete Heft, das für viele Leser noch immer etwas Besonderes ist, auch nicht. Argumente zum Für und Wider eines gedruckten BRÜCKE-Heftes liessen Erinnerungen wach werden. Erinnerungen an die ersten Info-Briefe, geschrieben auf einer Schreib-maschine, fotokopiert und an über 500 Interessenten geschickt…
Kaum zu glauben, aber wahr: Diese ersten Schritte für das Miteinander unter dem Schutz der „BRÜCKE“ wurden vor 25 Jahren gemacht!! Über all die Jahre haben ehrenamtliche Mitarbeiter dafür gesorgt, dass die Informationsquelle für uns Deutschsprachige in der Türkei nicht abreisst.

Ein Blick zurück sei hier erlaubt…

Zu jener Zeit gab es einen Verein für Deutsche in Istanbul – die „Teutonia“. In früheren Zeiten ein Verein für Geselligkeit. Doch uns, den Gründern der Brücke, drückte ganz woanders der Schuh. Wir waren die „mit einem Türken verheirateten deutschen Frauen“und hatten die Vision, uns für unsere Gleichgesinnten einsetzen zu können. Da gab es so einiges, was wir vermissten. Wir waren deutsche Mitglieder türkischer Familien, der türkischen Gesellschaft. Wir hatten ein, ja man kann sagen, hohes Ansehen in der Gesellschaft. An den Rechten haperte es und mit diesem etwas ungutem Gefühl waren wir ziemlich alleine. Unsere Kinder sprachen unsere Sprache, doch hatten sie kaum Spielpartner in einer adäquaten Situation. Uns fehlten Gleichgesinnte zum Meinungs- und Informationsaustausch.
Mit der Unterstützung des damaligen Generalkonsuls Herrn Dr. Müller-Chorus verschickten wir einen ersten Brief an die “verlorenen Schäfchen”, manch einer von Ihnen erinnert sich sicher noch daran. Wir konnten es selbst kaum glauben, zum ersten Treffen im Theatersaal fanden 98 Deutsche, überwiegend Frauen, zusammen! Es waren Personen, die zum Teil im gleichen Stadtteil wohnten, jedoch nichts voneinander wussten.

Aus unserem ersten Vorhaben, eine Plattform für Gleichgesinnte zu bilden, wuchs eine Gemeinschaft, die heute auf zahlreiche Erfolge zurückblicken kann. Hier nur einige Beispiele:

Nach langen Debatten, Gesprächen und Fürbitten bei den zuständigen Institutionen haben wir zu einer Verbesserung der aufenthaltsrechtlichen Situation beigetragen. Unsere Kinder konnten eine Kinderspielgruppe in deutscher Sprache besuchen, wir haben den Aufbau einer türkischen Privatschule mit Deutsch als Fremdsprache begleitet und dort das Fundament für einen gesonderten Sprachunterricht für deutschsprachige Kinder gelegt, wir haben erreicht, dass die türkisch/deutschen Kinder in der Botschaftsschule aufgenommen wurden, wir haben den Stein in Bewegung gesetzt, dass einige der Berufsverbote für Ausländer aufgehoben wurden, wir haben dafür gesorgt, dass unsere Probleme und Schwierigkeiten bei den Vertretern von verschiedenen Institutionen Anerkennung fanden uvm.

Aber auch das gesellschaftliche Miteinander kam nicht zu kurz! Hier schauen wir auf ein breites Spektrum von Aktivitäten zurück, die alle auf dieser Seite zu erwähnen den Rahmen sprengen würden. Über viele Jahre waren die Beisammensein zu Weihnachten und Ostern, die Treffen in gemütlicher Atmosphäre ein willkommenes Heimatgefühl für Viele, die seit etlichen Jahren in der Türkei lebten. Es wurden Interessengemeinschaften gebildet, wir fanden Ansprechpartner für die verschiedenen Stadtteile; Listen von deutschsprachigen Ärzten, Rechtsanwälten, Kindergärten und Schulen wurden zusammen getragen und nicht zuletzt geben wir seit 1989 regelmässig das monatliche BRÜCKE-Heft heraus, wobei die Mitwirkenden noch immer ehrenamtlich arbeiten. Wir sind in den Medien vertreten, mit der Webseite sowie auch im Facebook. Menschen, die heute ihren Lebensmittelpunkt in die Türkei verlegen, finden uns überall. Mit unserem einmal jährlich herausgegebenem BRÜCKE-Kalender kann jedes Mitglied sich über Fragen zum Alltag schlau machen und selbstverständlich kann man weitere Informationen per Mail oder Telefon direkt ans Brücke- Büro richten.

Der Verein ist nach wie vor ein wichtiges Bindeglied zwischen Deutschsprachigen und konsularischen Vertretungen, sowie den verschiedenen Institutionen. Auch bleibt er weiterhin eine Plattform für Interessenten, die die Verbindung zu Deutschsprachigen nicht aufgeben möchten. Und nicht zuletzt dient er als Informationsquelle für wichtige Nachrichten zur gesetzlichen Lage und zum sozialen Leben und Alltag.

So sind wir zu dem Schluss gekommen, dass trotz aller Fortschritte, trotz der vielen Möglichkeiten Informationen erhalten zu können, der Verein weiter bestehen muss. Um auch in Zukunft effizient den Dienst in der “Brücke” möglich machen zu können, müssen Aufwand, Kosten und Einnahmen im Einklang stehen. Wir werden unser Bestes tun, um Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, auch in Zukunft wichtige Informationen zukommen zu lassen und hoffen, dass Sie uns weiter in dieser wichtigen Aufgabe unterstützen.

In der Hoffnung, dass die Gemeinsamkeit, das Für- und Miteinander weiterhin fruchtbaren Boden findet, wünschen wir Ihnen allen wunderbare geruhsame und sonnige Sommertage und freuen uns schon, Ihnen im Herbst wieder neue und interessante Nachrichten und Informationen geben zu können.

Claudia Yılmaz
im Namen des Brücke-Teams

 

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