Februar 2014 – Von Jahreszeiten, Wind und Wetter

Von Jahreszeiten, Wind und Wetter

Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder –
Den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter
Der Frühling bringt Blumen, der Sommer bringt Klee,
der Herbst, der bringt Trauben, der Winter bringt Schnee.

Volkslied aus Baden

Liebe Leserinnen und Leser,

so klar ausgeprägt waren früher die Erscheinungen der vier Jahreszeiten in Deutschland, jedenfalls in der Regel. Aus meinen Kindertagen erinnere ich mich an eine ‘‘uralte‘‘, pensionierte Dorflehrerin, die ich ‘‘die freundliche Waldhexe‘‘ nannte. Ihre leicht buckelige, magere Gestalt, die grauen fliegenden Haarsträhnen und der wohlwollende Blick aus den blau-grauen ‘‘Wolfsaugen‘‘ machten die Alte zu einer Art Märchengestalt. Ihr verwittertes Holzhaus mit dem verwilderten Garten könnte ich heute noch malen.

Eines Tages erzählte sie meiner Mutter von ihrem Besuchsaufenthalt in Amerika (Kalifornien) bei ihrem Sohn, der ihr Gegenstück war, der Märchenprinz unseres Dorfes. Er war als Dipl. Ingenieur der Fa. Heinkel (Flugzeugwerke) bei der NASA gelandet. ‘‘Luise‘‘, höre ich die Ex-Lehrerin noch heute beschwörend sagen – mit rauher und tiefer Stimme: ‘‘Die Jahreszeiten, die Jahreszeiten. In Kalifornien habe ich drei Monate lang nur blauen Himmel gesehen. Niemals auch nur das kleinste Wölkchen, kaum Wind. Es war fast nicht auszuhalten. Wir brauchen ab und zu wenigstens eine kleine, ziehende Wolke oder etwas Regen oder ein Gewitter oder heftigen Wind‘‘.

Ich ahnte nicht, dass ich etwa 20 Jahre später fast immerzu unter fremdem Himmel, d.h. in anderem Klima und anderen Jahreszeiten leben und mich schlieβlich in Istanbul niederlassen würde.

Eines Tages gratulierte mir ein früherer deutscher Botschafter zu meiner Niederlassung (anläβlich der Eheschlieβung) in Istanbul. ‘‘Schon das Klima in den östlichen und südlichen Mittelmeergebieten (d.h. Anrainerstaaten) ist für uns auf Dauer nicht gesund‘‘ sagte er, ‘‘Ganz zu schweigen von den Tropen‘‘.

Wir alle sollten das ‘‘europäerfreundliche‘‘ Klima der Türkei schätzen! Nun aber scheint sich das Gesamtbild der Wetterverhältnisse zu ändern. Die Jahreszeiten springen und tanzen, völlig ohne Rhythmus. Frühling und Herbst tragen ‘‘Sommer- oder Wintermasken‘‘. Grosse und langanhaltende Hitze ist in die Türkei ‘‘eingewandert‘‘ und bis Thrakien vorgerückt. Ab und zu gibt es entsetzliche Überschwemmungen. Im Nordosten des Landes erreicht der Schnee zuweilen vier Meter Höhe, manchmal aber nur wenige Zentimeter, zu wenig für Skifahrer.

 Wie war es früher in Istanbul?

Aus den Wetteraufzeichnungen erfahren wir folgendes:

378 n. Chr. – stellenweise Vereisung des Goldenen Horns
739 n. Chr. – der Bosporus unter einer Eisdecke
753 n. Chr.- Eisschollen kommen vom Schwarzen Meer
763 n. Chr. – 100 Meilen Schwarzmeer- Küste und Bosporus vereist, auf Eisschollen kann man von Galata nach Üsküdar gehen.
928 n. Chr. – 4 Monate harter Winter, Bevölkerung zu Hause eingeschlossen
1573 n. Chr. – strenger Winter, Brotpreise steigen
1658 n. Chr. – Bosporus unter einer Eisdecke
1689n. Chr. – Sturm am Bosporus, 500 Tote
1739 n. Chr. – 3 Monate andauernder, harter Frost
1811 n. Chr. – Überschwemmungen in Eyüp, Aksaray, Beşiktaş
1878 n. Chr. – Goldenes Horn und Bosporus gefroren, Wasserversorgung äuβerst beschränkt
1918 n. Chr. – Schiffe im Bosporus eingefroren
1928 n. Chr. – Vereisung der Donau, darauf Eischollen- Stau im Schwarzen Meer, Bosporus und Goldenem Horn
1929 n. Chr. – Temperatur -18 Grad, stürmischer Winter
1954 n. Chr. – Eisschollen aus der Donau im Schwarzen Meer und dem Goldenen Horn

Aus NTV Ist.-Enzyklopädie – Prof. Şengör

Die Stadt hatte damals viel weniger Einwohner. Heute wären solche Katastrophen für uns viel schlimmer. Gott gebe uns ausreichend Schnee und Regen und beschütze uns vor Notsituationen. Wir brauchen ein Heer von Schutzengeln!

Doris Dobaz
für das BRÜCKE Team

Kontakt



©2017 ARNE UEBEL | www.arneuebel.com

Melden Sie sich an!

oder    

Haben Sie Ihre Daten vergessen?

Create Account