März 2013 – Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

In diesen Tagen geht uns der Frühling durch den Sinn und auch der Osterbasar. Viele Gedichte – aus allen Zeiten – besingen insbesondere diese Jahreszeit, z.B. das ‘’Frühlingsgedicht’’ des Emanuel Geibel:

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muss doch Frühling werden.

Zur Zeit sehen wir Eis und Schnee z.B. in Mitteleuropa und Ostanatolien, Überschwemmungen durch Schmelzwasser und viel Regen – vor allem in Thrakien und bei Antalya – und graues, regnerisches Wetter in Istanbul. Wir möchten uns deshalb auch gern durch den Dichter Ludwig Uhland in sein Gedicht ‘’Frühlingsglaube’’ einspinnen lassen:

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.

Suchen wir zur Zeit nicht, mit Herz und Sinn – bewusst oder unbewusst – nach schönen Farben und Mustern, nach blühenden Pflanzen und Blumen?
Jede Marktfrau mit Blumenkübeln und leuchtend bunten Sträussen sticht uns besonders schnell ins Auge. Natürlich hoffen wir alle auf freundliches Wetter, um bequem einen Stadtbummel zu machen oder die Wochenmärkte und Basare zu besuchen.
Zum Thema ‘’Basar’’ steht in einem deutschen Lexikon: „Händlerviertel in orientalischen Städten, Warenverkauf auf Wohltätigkeitsveranstaltungen“. Unser Wort wurde wohl über das Französische (bazar), aus dem Persischen (bazar = Markt) entlehnt. Das türkische Wort (pasar = çarşı = Markt) entspringt natürlich derselben Quelle. Das persische ‘’baz’’ entspricht dem türkischen „geri“ und das persische ‘’averden’’ dem türkischen „getirmeli“. Somit ist das türkische „aliş veriş“ mit „tauschen“ zu übersetzten. (Der letzte Satz ist unverständlich) Der Tauschhandel als Anfang allen Einkaufs und Verkaufs war selbstverständlich für Nomadenvölker, die in riesigen Steppen, Wüsten oder Gebirgsregionen lebten, u.a. in den Gebieten an der Seidenstrasse. Und siehe, bei uns, im Zuge des 2. Weltkrieges und danach, lebte er wieder auf – aus der Not geboren.
In osmanischer Zeit gab es interessanterweise sogar das „pazar kayığe“ – ein mietbares, grosses Boot um die eingekauften Waren nach Hause zu schaffen.

Wer, wie ich, die zum Österreichischen Osterbasar geht (dieses Jahr am 16. März), träumt nicht von einem solchen Boot, möglichst mit Flügeln – um die eingekauften Bücher, Kleider, Vasen und Flaschen heimzuschaffen?

Im St. Georg-Kalender 2013 ist nicht der 20. März als Frühlingsanfang gekennzeichnet, sondern der 21. März als ‘’Nevruz’’ (neuer Tag). Nach altem iranischem Kalender ist es der Jahresbeginn und der Frühlingsanfang. Vielleicht beginnt der Lenz in der Nacht vom 20. März auf den 21. März, als astronomischer Frühlingspunkt. Nach der Phänologie (Wissenschaft betreffs jahreszeitlicher Erscheinungsformen bei Tieren und Pflanzen) dauert der astronomische Frühling auf der Nordhalbkugel vom 21. März bis zum 21. Juni – die Zeit von der Apfelblüte bis zur Holunderblüte.

Überbrücken Sie gut den restlichen Winter und: schöne Frühlingswochen!

Doris Donbaz
für das BRÜCKE Team

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