Origami-Blüten für Feriköy

Im Rahmen der Neustrukturierung und Weiterentwicklung des Istanbuler städtischen Raumes wurden im Jahre 1859 die meisten europäischen Friedhöfe vom heutigen Taxim-Gezipark-Gelände vor die Stadt verlegt. Rund um diese Friedhöfe entstand im Laufe der Jahre der pulsierende Stadtteil Şişli. Heute wirken diese fünf Friedhöfe wie erholsame Parkanlagen und bilden grüne Lungen im stickigen Häusermeer.

Einer dieser Şişli- Friedhöfe liegt im Bezirk Feriköy und ist die zentrale Begräbnisstätte für Protestanten, die Istanbul als ihre letzte Ruhestätte bestimmt hatten.

İm Jahre 1859 war festgelegt worden, dass die Verantwortung für die Belegung und Pflege dieses protestantischen Friedhofes den sieben evangelischen Gesandtschaften von folgenden Ländern obliegt:
 Preußen
 England
 USA
 Niederlande
 Schweden
 Norwegen
 Dänemark

Seither übernimmt stets zum Jahresbeginn eine dieser Ländervertretungen die alleinige Verantwortung für die Abwicklung der Verwaltungstätigkeiten für das laufende Jahr. Eine dieser Aufgaben des jeweiligen Konsulats ist es, den Friedhofswärter zu informieren, sobald eine Beisetzung ansteht; eine andere Tätigkeit ist die Gebühr für die Grabbelegung zu verrechnen.
Aufgrund politischer Veränderungen in den Heimatländern und in der Türkei erfolgten die allgemein bekannten Veränderungen in den evangelischen Gesandtschaften in Istanbul, z. B. hat auch Ungarn einen Sitz im Friedhofs-Verwaltungsgremium. Aber die bereits 1859 festgelegten Grundstrukturen für die Verwaltung des Friedhofes Feriköy wurden bis heute beibehalten.
Während vier Şişli-Gottesäcker sich in einem guten, der Würde eines solchen Ehren- und Gedenk-Ortes angemessenen, Zustand befinden, nimmt die Verwilderung und nehmen die Verwahrlosungstendenzen des internationalen protestantischen Friedhofes von Jahr zu Jahr deutlich sichtbar zu.
Die Nachbarn nutzen den Friedhof als Abstellfläche für Mülltonen, ausrangierte Sportgeräte, zerbrochene Fensterscheiben und sonstigen Sperrmüll.
Der Friedhofswärter züchtet Hühner (die ihr Futter auch auf den Gräbern suchen), baut sein Gemüse zwischen den Gräbern an und hält mehrere Hunde, die nicht nur nachts abschreckend wirken. Die sanitären Anlagen lassen sehr zu wünschen übrig: etliche Reparaturen an Wänden/Decken sowie den Installationen sind angesagt; und Toilettenpapier fehlt grundsätzlich. Auf dem Dach wächst gebäudeschädigend Unkraut.

Die Fenster der graziösen Kapelle bestehen aus kleinen Bleiglasscheibchen. Etliche dieser Scheibchen fehlen gänzlich, andere wurden vor Jahren bereits geflickt und wieder andere sind dringend ersetzungsbedürftig. Ein Glas-Fachmann sagte, dass die Bleistruktur, die die Scheibchen fassen, teilweise so marode ist, dass ganze Fensterflügel ausgetauscht werden müssen. Über die schadhaften Fenster dringt Feuchtigkeit in den Kapellenraum und beeinträchtigt ihr Inventar, das zum Großteil aus Holz gefertigt ist. Zwei Eingangs-Holztüren sind bereits durch Regeneinflüsse erheblich geschädigt.

Solange Feriköy für die damaligen Botschaften, die dann zu Konsulaten umgewandelt wurden, auch als eigene Begräbnisstätte für Leitung und Beschäftigte Bedeutung hatte, war dieser Friedhof tadellos gepflegt. Damals inspizierten die einzelnen Botschafter bzw. Generalkonsule persönlich, oft gemeinsam mit den zuständigen Pfarrern, das nationale Grabfeld und die Gemeinschaftseinrichtungen, wie die Aufbahrungs-Kapelle.

Zu den Koordinationsbesprechungen über Friedhofsangelegenheiten (z.B.: Gebührenfestsetzungen, Pflegetätigkeiten u.a.) waren selbstverständlich die Pfarrer der Kirchengemeinden geladen. Doch je mehr Flüge in die Heimatländer ohne großen Zeitaufwand möglich wurden verlor dieser Friedhof, für den bis heute diese sieben Generalkonsulate zuständig und verantwortlich sind, mehr und mehr an Bedeutung.
Wer heute Verantwortliche auf die Bedeutung des Friedhofes hinweist, bekommt zu hören, dass Mensch „Wichtigeres zu tun habe, als sich um einen Friedhof zu kümmern“.

Um dem Niedergang unseres internationalen protestantischen Fried-hofes entgegen zu wirken haben wir, ausgehend von der Kreuzkirche, eine Spendenaktion am 4. Adventssonntag gestartet: Jede Person, die eine Spende für die Sanierung des Friedhofes gab, erhielt als Dankeschön einen kleinen Fröbel-Stern. Die Sterne hatte Frau Dekanin Reiß aus Offenbach selbst angefertigt, nachdem sie der Friedhofbesuch sehr erschüttert hatte.
Zur weiteren Unterstützung hat Frau Dekanin Reiß selbstgeschaffene Origami-Blüten gesandt, die wieder Spenden-Obolus sein werden.
Wir bieten diese Origami-Blüten an nach Brücken-Veranstaltungen und in den Kirchengemeinden.

Der Erlös der Fröbel-Sterne wurde noch zum Jahresende in bunte Primelsetzlinge verwandelt, um unseren Friedhof auf den kommenden Frühling einzustimmen
Wer unsere Feriköy-Initiative mit Rat und oder Tat bzw. einer Geldspende unterstützen möchte, der schreibe bitte an folgende Adresse:
gerd_martus@t-online.de
gerhardmartus2015@gmail.com

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