Stadtführung durch Cankurtaran und Kadriga

Gott sei Dank stand unter dieser Überschrift auch das Wort „Hippodrom“ so dass man erkannte, dass die Führung etwas mit Sultanahmet zu tun hatte. Cankurtaran und Kadirga sind Stadtviertel südlich der großen Sehenswürdigkeiten Hagia Sofia und Blaue

Moschee, am Marmarameer. Mit verschlungenen, kopfsteingepflasterten Straßen mit alten Holzhäusern, ist es eine völlig andere Welt wie man es sonst von Sultanahmet nicht kennt.

Aber der Reihe nach: Bei schönem Wetter traf sich die Gruppe am Kaiser Wilhelm Brunnen am Anfang des Hippodroms mit Adnan Bey, unserem altbekannten und beliebten Stadtführer. Zuerst ging es zum „Puddingshop“, dem Restaurant Lale, das in den 60/70er Jahren ein weltbekannter Treffpunkt für junge Leute war, die nach Osten reisten und in dem es den besten und billigsten Pudding Istanbuls gab. Hier tauschte man Infos und Kontakte aus, ließ sich die Post nachschicken, um sich dann nach Goa, Pakistan und Afghanistan aufzumachen. Heute erinnern nur noch einige Fotos an den Wänden an diese Hippie-Zeiten.

Zurück zum Hippodrom: Bis zum 12. Jahrhundert waren Wagenrennen das Massenspektakel schlechthin. Die Ausmaße des Platzes umfassten ca. 400 x 130 m und boten ca. 50.000 Zuschauern Platz. Die Herrscherfamilie saß in einer mächtigen Kaiserloge, die im heutigen Bereich der blauen Moschee lag und Zugang zum Palast hatte. Da das Hippodrom der einzige Ort war, an dem Volk und Herrscher zusammentrafen, kam es öfters zu politischen Protesten und auch zu Aufständen. Diese wurden dann blutig niedergeschlagen und die Toten nach alter Tradition an Ort und Stelle begraben. Auch nach dem Abriss des Hippodroms behielt der Platz seine Rolle für Auseinandersetzungen bei: In Jahre 1826 ließ Sultan Mahmut II. 30.000 Mitglieder der aufständischen Janitscharen umbringen. Wenn wir heute über diesen Platz spazieren, gehen wir über ein riesiges Massengrab. Am Ende des Hippodroms stand die berühmte Quadriga, die sich heute in Venedig befindet.

Der Kaiser-Wilhelm-Turm, am nördlichen Ende des Platzes, war ein Geschenk des deutschen Kaisers Wilhelm II an seinen Freund Sultan Abdül Hamid zum 25. Thronjubiläum im Jahre 1900. Die meisten Teile wurden in Deutschland vorgefertigt und erst in Istanbul montiert. Leider konnten wir den mit Mosaiken geschmückten und von 8 Säulen getragenen Brunnen nicht bewundern, da er z.Z. restauriert wird und mit einer Plane zugehängt war.

Nur wenige Meter weiter steht der Ägyptische Obelisk. 1700 v. Chr. von Karnak (Ägypten) hierher transportiert und von Theodosius II. aufgestellt, ist er das älteste Monument Istanbuls. Die Schlangensäule ist „nur“ 2500 Jahre alt und wurde von Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert vom Apollo-Tempel in Delphi nach Istanbul gebracht. Den drei ineinander verschlungenen Schlangen fehlen die Köpfe, die sich heute im Archäologischen Museum hier in Istanbul und im Museum in London befinden. Am südlichen Ende des Hippodroms steht der gemauerte Obelisk, 1100 Jahre alt. Konstantin der VII. Porphyrogennetos ließ ihn im 10. Jahrhundert restaurieren und mit Bronze verkleiden. Kreuzritter plünderten die Bronze und schmolzen sie ein.

Alle Monumente stehen einige Meter unter dem heutigen Platzniveau, das durch Trümmerreste des Hippodroms und der Massengräber aufgeschüttet wurde. Dieser Platz war auch immer ein Sammelpunkt bei Bränden und Erdbeben.

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