Syrische Flüchtlingskinder brauchen unsere Hilfe

von Anne-Béatrice Clasmann

Als im Frühjahr 2011 die ersten Zivilisten aus Syrien in die Nachbarländer flohen, dachten die Flüchtlinge nicht, dass der Konflikt zwischen den damals noch vor allem lokal organisierten Revolutionsgruppen und dem Regime in einen jahrelangen Bürgerkrieg münden würde. Die Gründung von Schulen für die Flüchtlingskinder gehörte deshalb erst einmal nicht zu den Prioritäten der Hilfsinitiativen, die ich in den Aufnahmeländern – vor allem die Türkei, der Libanon und Jordanien – gründeten. Es ging erst einmal nur darum, dass die Flüchtlinge ein (Zelt-)Dach über dem Kopf und genug zu essen haben.

Doch seither sind nun drei Jahre vergangen in denen Hunderttausende von Kindern aus Syrien keinen Unterricht erhalten haben. In einigen Flüchtlingslagern und auch in Istanbul entstanden zwar seit 2012 Schulen, in denen die Kinder vorwiegend in arabischer Sprache unterrichtet werde. Doch in den vielen Fällen ist das Geld knapp oder die Spender, die sich an der Finanzierung dieser Schulen beteiligen, mischen sich in die Lehrpläne ein. In einigen Schulen lässt sich beobachten, dass die Erziehung zu Weltoffenheit und Toleranz keinen hohen Stellenwert genießt.

 

Durch einen privaten Kontakt wurde ich Anfang 2013 auf eine Flüchtlingsschule in der Stadt Kahramanmaras aufmerksam, die etwa 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegt. Die “Fackeln-der-Freiheit-Schule” hat mich, die ich schon Hilfsprojekte in vielen Ländern der Region kennengelernt habe, von ihrem Konzept her sehr überzeugt. Es ist ein Selbsthilfeprojekt. Abgesehen von einigen Spenden aus Deutschland und aus der hiesigen deutschen Gemeinde, wird sie bisher ausschließlich von syrischen Privatleuten getragen. Die Mitarbeiter sind alle selbst Flüchtinge Die Schulleiterin hatte früher selbst in Syrien als Lehrerin gearbeitet. Mit finanzieller Unterstützung ihrer Familie und mit Hilfe syrischer Freunde mietete sie im Januar 2013 ein Gebäude an, in dem syrische Lehrer anfangs rund 200 Kinder unterrichteten – Vorschule bis 8. Klasse. Als die Kämpfe in Syrien immer heftiger wurden stieg die Zahl der Schüler. Im Sommer 2013 suchten rund 1000 Schüler einen Platz. 850 konnte sie aufnehmen. in dem Gebäude herrschte nun drangvolle Enge. Die restlichen Kinder wurden mit Büchern zum Selbstlernen nach Hause geschickt.

Die Schule hat eine angenehme Atmosphäre. Die Lehrer legen großen Wert darauf, dass die Kinder, die zum Teil Kriegsgräuel hautnah miterlebt haben, lernen, friedlich und respektvoll miteinander umzugehen.

SchuelerMan spürt, dass sich die Kinder wohl fühlen, obwohl es weder eine Kantine noch einen Sportplatz gibt. Um mehr Kinder aufnehmen zu können, hat die Schulleitung das angemietete Gebäude durch den Umbau einer Terrasse vergrößert. Das Lehrerzimmer wurde ebenfalls geräumt, um mehr Platz für die Kinder zu erhalten, die seit Sommer 2013 in drei Schichten lernen.

Die Schulleitung organisierte mehrfach Kleiderspenden-Aktionen und die Verteilung von warmen Decken für den Winter. Die Eltern der Schüler, die sich größtenteils mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten, waren dafür sehr dankbar. Die Schule gab den Kindern, die zum Teil schon zwei Jahre ohne Unterricht waren, einen Ort der Normalität und Stabilität. Umso schlimmer ist es, dass es seit Ende März Diskussionen mit den lokalen Behörden Diskussionen über den rechtlichen Status der Schule gibt, weshalb das Schulgebäude am 28. März geschlossen wurde und die Kinder vorübergehend in Kleingruppen in Wohnungen lernen müssen. Die Kosten sind dadurch noch einmal gestiegen.

Die Schulleiterin, die sich bislang erfolgreich gegen jede politische Einflussnahme auf den Schulbetrieb gewehrt hat, sagte mir bei unserem letzten Telefonat Mitte April: “Es zerreißt mir das Herz, wenn ich mit ansehen muss, dass einige meiner Schüler jetzt Autos waschen und Taschentücher auf der Straße verkaufen.” Ich stehe weiter mit ihr in Kontakt. Wer weitere Informationen zu dem Projekt haben möchte, kann sich bei mir gerne per Email melden anne-beatrice.clasmann ( at ) web. de

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